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Der Spielefresser-Kommentar: Generation Remake?

Es ist schon wieder passiert. Alleine im Januar sind drei Remakes, HD-Überarbeitungen oder einfach Re-Releases mitunter jahrzehntealter Klassiker erschienen. Wer jetzt behauptet, das läge ausschließlich an der aktuellen Konsolengeneration – auch schon als „Portstation 4“ oder „Remakebox One“ bezeichnet, der übersieht, dass Resident Evil, Heroes of Might & Magic 3 HD und Grim Fandango auch für den PC erschienen sind. Nichts gegen die Qualität der Klassiker – besonders das Resi-Remake, das ich damals in Ermangelung eines Gamecubes verpasst habe, macht in HD eine ausgezeichnete Figur. Aber warum stehen Remakes derzeit mal wieder so hoch im Kurs? Wieso freue ich mich mehr auf das aufgefrischte Homeworld, als auf einen halbwegs frischen Titel wie Dying Light?

Schon seit dem Erscheinen von PS4 und XOne erleben die Remasters und Re-Releases eine neue Renaissance. Tomb Raider, Metro, The Last of Us, Sleeping Dogs, Saints Row 4 und eine unübersichtliche Menge von kleineren Indie-Spielen wurden auf der neuen Hardware umgesetzt. Sicher: Die Umsetzung dieser neueren Titel ist dank der PC-ähnlichen Architektur einfacher, die Spiele verhältnismäßig schnell optimiert und das Geld an Neu-Konsoleros leicht verdient. Zudem sind die Spiele noch nicht zu alt, um wirlich angestaubt zu wirken. Woher aber kommt dieser Drang, auch die ganz alten Abenteuer erneut erleben zu wollen? Waren Spiele vor 10-15 Jahren wirklich so viel besser? Wie mir ein kleiner Blick auf Heroes of Might & Magic 3 verrät, trifft diese Verallgemeinerung nicht zu. Ja, HOMM 3 ist ein Klassiker – aber der ist verdammt nochmal unheimlich schlecht gealtert. Es gibt diese Zeitlosigkeit eines Grim Fandango, das bis auf kleine grafische Anpassungen unverändert portiert wurde und immer noch den alten, unvergleichlichen Charme versprüht. Aber das erklärt mir immer noch nicht, warum ich in Resident Evil auf meiner PS4 durch die auch in “HD” oft unscharfe Render-Kulisse stapfe, den unbeweglichen Blickwinkel einfach hinnehme und mich beim ersten Zombie trotzdem genauso grusele wie vor 15 Jahren.

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Dank Lifting, viel Sport und gesunder Ernährung gut gealtert: Chris Redfield. Bildquelle: Capcom

Ist es diese magische Nostalgie? Sicher! Viele der alten Abenteuer habe ich verklärt, ich kann ihre spielmechanischen Unzulänglichkeiten und ihre Überalterung akzeptieren, weil ich in eine Welt zurückkehre, die ich damals geliebt und nur wiederwillig verlassen habe – etwa wenn die Eltern nachdrücklich zum Essen aufforderten. Auf der anderen Seite gibt es aber auch diese Titel, deren spielerische Größe nie wieder erreicht worden ist. Das Remake von Homeworld ist so ein Fall, denn nach Relics Meisterstück fanden Artdesign, Stimmung, Erzählung und strategische Anspruch nie wieder in einem so grandiosen Science-Fiction-Setting zusammen. Und sollte es jemals eine Freespace-2-HD-Version geben, nachher noch mit einem Hercules-Mk2-Aufsteller dazu, werde ich einer der ersten sein, der Volition das Geld bis vor die Studiotür trägt.

Bildquelle: Gearbox Entertainment.

Bildquelle: Gearbox Software

Was aber wäre passiert, wenn z.B. Gearbox einen dritten Teil der Weltraumstrategie angekündigt hätte? Wäre ich in ähnlich euphorisches Stammeln ausgebrochen wie bei der Enthüllung der Überarbeitung? Ich wage es zu bezweifeln. Hat sich etwa nach der Erfahrung unzähliger mäßiger Fortsetzungen (Tomb Raider: Chronicles, Resident Evil 6, C&C 4 oder Age Of Empires 3, nur um einige zu nennen) der Gedanke verfestigt, dass vielleicht das Original einfach besser ist? Mit einem Remake des Klassikers wäre vielleicht Thief (2014) nie passiert und hätte Square immer wieder nur Final Fantasy 4-9 neu aufgelegt, wäre uns vielleicht der unterdurchschnittliche XIII-Dreiklang erspart geblieben. Ach und wäre Capcom bei seinen Render-Leisten geblieben, dann wäre vielleicht Resident Evil 6 nicht so scheiße. Vielleicht.

Das alles mag stimmen – aber Remakes bedeuten eben auch kreative Stagnation. Ich will, bei aller Liebe, nicht das x-te Remake von Final Fantasy 3 – und auch Nintendo könnte sich lieber mal bei dem neuen Zelda beeilen, statt die N64-Klassiker für den 3DS umzusetzen. Und, Hand aufs Zombie-Herz, Capcom hat mit Resident Evil 4 und dem Bruch mit der starren Perspektive wirklich verdammt viel richtig gemacht. Auch das aktuelle Tomb Raider hat die Serie neu belebt und Naughty Dog hat mit The Last Of Us ohnehin allen gezeigt, dass sie sich nicht auf ihren Uncharted-Lorbeeren ausruhen.

Remakes, Remasters und HD-Auflagen sind für mich eine spielerische Hassliebe. Einerseits ermöglichen sie mir die zeitgemäße Rückkehr in liebgewonnene Welten, andererseits will ich aber auch richtig gute moderne Titel, statt neu verarbeitete Abenteuer aus der Vergangenheit. Ähnlich wie bei Filmen erwarte ich mehr als nur Fortsetzungen, Neuauflagen oder Überarbeitungen – gleichzeitig bin ich aber für jede Gelegenheit dankbar, mir alte Klassiker nochmal in HD ansehen zu können. Aber, liebe Entwickler, ihr wisst so gut wie ich: Es gibt noch so viele Geschichten da draußen – und so viele spannende Möglichkeiten sie uns zu erzählen.

 
Eike Cramer

Eike Cramer

Dummerweise schon 26, derzeit Online-Redakteur und beruflich mit der Spielebranche verbunden. Verzweifelt regelmäßig an Johnnys magischen Fähigkeiten jedes Spiel aus dem Stand zu beherrschen und ist jederzeit für eine kleine Runde Sportsfriends ("Le gól") zu haben.

 

One thought on “Der Spielefresser-Kommentar: Generation Remake?

  1. Ich finde deinen Artikel recht interessant, stimme allerdings nicht in allen Punkten mit deiner Meinung über ein.
    Insbesondere bei dem letzten Kommentar zu Zelda. Eines meiner ersten Spiele für den 3DS war das OOT-3D-Remake. Und ich war begeistert. Ich habe oot auf n64, GC, Emulatoren gespielt, aber noch nie hat es mir so gut gefallen, wie auf dem 3DS. Doch es ist nicht nur die Grafik, die überzeugt. Es ist vor allem das Prinzip “Handheld”, das OOT für mich zu einem ganz neuen Erlebnis gemacht hat. Einfach immer und überall spielen zu können. Wahnsinn.
    Und deshalb freue ich mich besonders auf Majoras Mask 3D – immerhin auch das beste Zelda Game ever.
    Eigentlich warte und freue ich mich darauf, seit ich oot auf dem 3ds gespielt habe. Und endlich wird es wahr. Immer & überall MM!
    Und auch MM habe ich vorher auf N64 und GC gespielt.
    Remakes sind Vor allem dazu da, Sachen die uns früher gestört haben auszumerzen, und tolle Spiele noch schöner zu machen. Und genau so sehe ich sie. Neue Grafik, weniger Bugs, selbe Story.
    Yippie Ya Yay.

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